VKW-News

Neueste Studienergebnisse

Soziale Ökonomie sichtbar machen – neue Erkenntnisse aus Berlin und Bremen (29.5.26 online)

von Heike Birkhölzer, Günther Lorenz
Im Gespräch mit Philipp Kenel (Alice Salomon Hochschule Berlin / Studie Berlin) und Christian Lautermann (IÖW Berlin / Studie Bremen und Bremerhaven) und mehr als 80 interessierten Gästen aus Politik, Verwaltung, Netzwerken, Beratung und Praxis wurde deutlich: Soziale Ökonomie trägt messbar zur Wirtschaftskraft bei und befördert den sozial-ökologischen Wandel in der Region.

Kernbotschaften

  • Die zwei Studien im Auftrag der Senatsverwaltungen für Wirtschaft in Bremen und Berlin zeugen von öffentlichem Interesse für die SSÖ
  • Soziale Unternehmen unterschiedlicher Zielsetzungen und Herkunft (gleich welcher Rechtsform) verfolgen soziale Ziele, arbeiten weitgehend partizipativ und sind nicht bzw. weniger renditeorientiert
  • Sie sind noch nicht ausreichend sichtbar (Note 3 in der Bewertung der Teilnehmenden), obgleich vielfältig, wirtschaftlich relevant und krisenresilient

Forderungen

  • Die Studien beziehen sich auf städtische Gebiete, in ländlichen Gebieten sollten sie ebenfalls durchgeführt werden
  • Abseits der rein wirtschaftlichen Relevanz sollte der gesellschaftliche Mehrwert mehr in den Fokus rücken (Internalisierung externalisierter sozialer Kosten)
  • stärkere Einbeziehung weiterer Milieus, z.B. aus der Kreislaufwirtschaft, nicht-monetärer Tauschmittel u.a. ist erwünscht
  • Einbeziehung der Frage, welche öffentlichen Förderungen für die SSÖ verbessert wurden und verbessert werden könnten: Steuerreform, Investitionsförderung, Auftragsvergabe etc.
  • Weiter an der Frage arbeiten, wie die SSÖ-Unternehmen und ihre Ökosysteme wirksam gestärkt werden können

Schlussfolgerungen aus der Diskussion

Wer Soziale Ökonomie fördern will, braucht belastbare Daten und Fakten. Die aktuellen Studien aus Berlin und Bremen zeigen nicht nur die wirtschaftliche Bedeutung sozialer Unternehmen, sondern schaffen auch die Grundlage für politische Entscheidungen und gezielte Fördermaßnahmen.
Für Berlin bedeutet dies, den im Koalitionsvertrag verankerten Auftrag mit konkreten Kennzahlen zu unterlegen. Für Bremen steht der Erkenntnisgewinn über das breite Feld sozialer Unternehmen im Vordergrund – und die Frage, welchen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert ihre Unterstützung für das Land schafft.
Gleichzeitig wurde deutlich: Die Studien sind kein Endpunkt, sondern ein Ausgangspunkt. Künftige Erhebungen können sichtbar machen, wie sich die Soziale Ökonomie entwickelt und welchen Beitrag sie langfristig zu Wirtschaftskraft, gesellschaftlichem Zusammenhalt und sozial-ökologischem Wandel leistet.

Aktuelle Termine

18.6.2026 Workshop (Online, 15-17 Uhr) SSÖ-Immobilien finanzieren: Erfolgsfaktoren und Finanzierungsmix in der Praxis
Armin Massing vom Projektzentrum „Global Village gGmbH“ im Gespräch mit Helmut Geißler (StTATTwerke Consult GmbH). Der Finanzierungsmix des Global Village wird vorgestellt und eure Fragen und Anmerkungen diskutiert.
Anmeldung

24.6.2026 Workshop (Online, 15-17 Uhr) Sozial-Audit – Ein praxisnaher Ansatz für wirkungsorientierte Unternehmensentwicklung
Wirkungsmanagement für Soziale Unternehmen muss kostengünstig und im Unternehmensalltag umsetzbar sein – aber wie geht das? Und wie trägt erfolgreiches Wirkungsmanagement zur Unternehmensentwicklung sowie zur Stärkung des Geschäftsmodells bei? Um diese und insbesondere um eure Fragen geht es beim Online-Austausch mit Heike Birkhölzer (VKW) und Günther Lorenz (TechNet Berlin)
Anmeldung

Geförderte Einzelberatung

Kurzberatung für Gemeinwohlunternehmen

Im Rahmen des Projekts „Soziale Solidarische Ökonomie stärken – durch Vernetzung und Transfer“ bieten wir zur Stärkung von Unternehmen der Sozialen Solidarischen Ökonomie Beratung zu (fast) allen Themen der Unternehmensführung und Unternehmensentwicklung für sozial-solidarische gemäß genossenschaftlichen Prinzipien organisierte Organisationen an, wie:

Finanzierung

  • Wie kann ich öffentliche Förderung erhalten, welche Förderprogramme kann ich wie nutzen für mein Unternehmen der SSÖ, abgestimmt auch auf meine Branche und Region?
  • Wie nutze ich das Netzwerk meines SSÖ-Unternehmens für auf mein Unternehmen abgestimmte Instrumente der Eigenfinanzierung, der Beteiligungsfinanzierung, der Finanzierung durch Investoren (Beispiel: Instrument des / der Investierenden Genossen/in)

Nachhaltigkeit und Klimaschutz

Wie setze ich das Instrument des Nachhaltigkeitsmanagements ein,

  • um meine Produkte/ Dienstleistungen ökologischer zu machen?
  • um meine Betriebsabläufe Ressourcenschonend und umweltschonender zu gestalten?
  • Wie verstärkt Erneuerbare Energien für mein Unternehmen der SSÖ nutzen?

Geschäftsmodell und Geschäftsprozesse

  • Entwicklung oder auch Relaunch meiner Unternehmensstrategie, meines Geschäftsmodells, meiner Geschäftsprozesse, um mein Unternehmen der SSÖ am Markt zu stärken, resilienter zu machen?
  • Welche Organisationsstruktur und welche Unternehmensprozesse, auch welche Rechtsform passt dabei am besten zur weiteren Entwicklung und Stärkung meines sozial-solidarischen Unternehmens?

Kontakt: Helmut Geißler / +49 172 74073448

Weitere Kurzberatungen bietet TechNet zu praktischen Fragen wie

  • Organisations- und Unternehmensentwicklung, demokratisches Management
  • Wirkungsmanagement am Beispiel des Sozial-Audit-Verfahrens
  • Finanzierungsfragen – Wie gelingt ein tragfähiger Einnahme- bzw. Finanzierungs-Mix?
  • Rechtsformbestimmung – Welche Rechtsform ist für euer Unternehmen angemessen?

Wir beraten zu allen Fragen organisatorischer Aspekte der Unternehmensentwicklung im Kontext eurer Mission, Werte und Zielsetzungen.

Kontakt: Günther Lorenz und Heike Birkhölzer

Internationales

Finanzrahmen der EU (2028-2034): Nachteilig für die Soziale Ökonomie

Von Günther Lorenz, TechNet
Der mehrjährige Finanzrahmen (2028–2034) der EU (MFF) befindet sich derzeit sowohl auf Parlaments- als auch auf Ratsebene in Verhandlungen. Die bevorstehende Entscheidung wird erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft der Sozialen Ökonomie haben, sowohl hinsichtlich der Finanzierungs- und Investitionsquellen, des Zugangs zu Finanzierung als auch der Beteiligung sozialökonomischer Akteure an den verschiedenen Regierungsorganen.
In vielerlei Hinsicht birgt der Entwurf Nachteile für die Soziale Ökonomie.
Aufbauend auf der Arbeit seiner Mitglieder und breiterer Koalitionen fasste Social Economy Europe daher die Hauptvorschläge zusammen und erstellte eine Kartierung der für die Soziale Ökonomie verfügbaren Mittel.
The next Multiannual Financial Framework (MFF) (PDF)

Generalversammlung von RIPESS Europe, 18.-20.05.26 in Frankreich

Von Cléo Mieulet, CSX Netzwerk
Der VKW ist Mitglied im RIPESS Europe, daher hatte ich Gelegenheit, an der inspirierenden Generalversammlung in Villarceaux teilzunehmen. Dort waren die  Menschen zusammen, die an der Zukunft der Sozial- und Solidarwirtschaft in ganz Europa arbeiten.
Was mir besonders im Gedächtnis geblieben ist: Die Soziale und Solidarische Ökonomie (SSÖ) wird noch immer viel zu oft als Nische behandelt – obwohl sie längst einen bedeutenden Teil des wirtschaftlichen Lebens ausmacht und genau jene Widerstandskraft bietet, die wir derzeit dringend brauchen. SSÖ ist eben nicht bloß ein alternatives Modell. Sie ist eine praktische Infrastruktur für demokratischere, lokal verankerte und krisenfestere Volkswirtschaften. Sie kann eine gerechtere Verteilung von Ressourcen und den Übergang zur Kreislaufwirtschaft tragen.
Die Gespräche über strategische Ausrichtung, Soziokratie und feministische Governance waren dabei besonders anregend – und haben gezeigt, wie viel Potenzial darin liegt, Praxis, Forschung und Bewegungsaufbau enger miteinander zu verbinden.
Ich würde mir wünschen, dass künftig noch mehr Brücken gebaut werden – zwischen RIPESS Europe, dem VKW Deutschland, dem CSX-Netzwerk, dem International Degrowth Network und dem Degrowth & Research Network. Denn für mich ist klar: Neben demokratischer Planung führt der Weg zu mehr Gerechtigkeit über die SSÖ in eine Postwachstumsgesellschaft. Genau hier wird Transformation greifbar – dort, wo kooperatives Wirtschaften vom Rand in die Mitte der Gesellschaft rückt.

RIPESS Europe – Network Social Solidarity Economy Europe
entstand aus der Synergie des Interkontinentalen RIPESS-Treffens mit dem Globalen Forum für Solidarität, das 1997 in Lima stattfand. RIPESS Europe wurde dann 2011 in Barcelona gegründet. Dabei waren Vertreter von Netzwerken aus Belgien, Katalonien, Frankreich, Spanien, Ungarn, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien und Deutschland (u.a. unter Beteiligung von TechNet Berlin).
Das Netzwerk umfasst

  • 20 Mitgliedsländer
  • 45 Mitgliedsorganisationen

Derzeitige deutsche Mitgliedsorganisationen in RIPESS EU sind, neben VKW:

  • Technologie-Netzwerk Berlin e.V (TechNet)
  • CSX Deutschland e.V.
  • NETZ für Selbstverwaltung und Kooperation Berlin-Brandenburg e.V.

Seit Herbst 2025 ist VKW Mitglied im interkontinentalen Netzwerk zur Förderung der Sozial Solidarischen Ökonomie, in der europäischen Sektion.